Sil Selbst

199714 Collagen, je 30 x 77 bis 38 x 96 cm. Standbilder aus VHS-Kopie, vom Fernseher abfotografiert, Abzüge der Fotos ausgeschnitten und collagiert.

SIL ist die Hauptfigur in Roger Donaldsons Science-Fiction-Thriller Species, der 1995–96 sowohl im Kino als auch als Leihvideo äußerst beliebt war. Die Handlung des Films ist einfach: Mithilfe von Gentechnik züchten Forscher einen Hybriden, indem sie eine menschliche Frau mit der DNA einer außerirdischen Intelligenz kombinieren (die sich später als räuberisches Wassersäugetier entpuppt, das unvorhersehbar schnell wächst, lernt und sich verwandelt). Die SIL genannte Hybride entkommt aus dem Forschungslabor – als kühle, schöne Blondine (gespielt von Topmodel Natasha Henstridge) mit dem einzigen Ziel, sich fortzupflanzen. Fünf Forscher/innen, Polizeikommissare und Profiler jagen sie, um dies zu verhindern und SIL zu töten. Wenn SIL sich bedroht fühlt und sich verteidigt, nimmt sie die Gestalt der Außerirdischen an und tötet gnadenlos.

Unter dem Vorwand, von Wissenschaft und einem außerirdischen Feind zu handeln, projiziert dieser Film jedes erdenkliche Klischee über (böse) Frauen auf SIL. Sie ist eine Psychopathin, die Männer vor oder nach dem Beischlaf tötet und andere Frauen lediglich als Rivalinnen betrachtet. Ihr Verhalten ist instinktiv und kindisch, ohne jegliches Verständnis für Ethik oder soziales Verhalten. Gleichzeitig weist sie Eigenschaften einer selbstbewussten, starken Frau auf: Sie wählt ihre Männer aktiv aus, ist entschlossen und zielstrebig, intelligent, schnell, stark, unkonventionell, nonkonformistisch und furchtlos. SIL hat Eigenschaften eines „Übermenschen“. Sie kann sich durch Konzentration selbst heilen, erkennt instinktiv genetische Krankheiten bei anderen. Sie sieht aus wie eine „reinrassige arische“ Propagandafigur von einem Nazi-Plakat. Doch SIL ist auch verwirrt, einsam, fühlt sich fremd, träumt von ihrer „anderen Hälfte“ und weiß nicht, was sie „hier“ tut.

In den Videostill-Collagen gesellen sich Portraits der menschlichen Seite von SIL ihrer Gestalt als außerirdischem Monster zu. Sie betrachtet sich selbst, die andere Seite von sich, und lächelt, ist erstaunt oder besorgt. Sie nimmt Kontakt zu dem Teil von sich auf, der von der Gesellschaft verteufelt und gejagt wird. „Die Schöne und das Biest“ ist dasselbe Wesen.

In den 1990er-Jahren war die Auflösung von Video- und Fernsehbildern noch sehr gering. Die Qualität von VHS-Kassetten war zudem noch schlechter als z.B. Hi8-, Betacam- oder U-Matic-Bänder. Animierte Figuren, wie SIL als Alien in Bewegung, erschienen teils in noch rudimentärerer Ästhetik als Bilder der Realität. Thyes schätzte an diesen alten Video-Formaten und Fernsehoberflächen aber deren Farbigkeit und Pixel-Struktur, die den Videos und Standbildern etwas Malerisches verliehen.

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