Zürichsee-Zeitung über den Kunstlauf Meilen 2014

Westdeutsche Zeitung, Düsseldorf, 21. Nov. 2018

Künstler suchen nach digitalen Göttern. Von Thomas Frank.

... Doch es gibt auch eine Arbeit, die hervorsticht: "Kreuz und F.läche zu Raum" der luxemburgisch-schweizerischen Medienkünstlerin Myriam Thyes. Es handelt sich um eine stereoskopische 3D-Animation. Der Besucher setzt sich eine 3D-Brille auf und legt sich auf eine Matratze. Er blickt zur Decke, wo zu sakralen Orgel-Melodien das barocke Deckenfresko "Triumph des Heiligen lgnazius" von Andrea Pozzo erscheint. Es zählt zu den kühnsten Werken der illusionistischen Malerei. Thyes löst Figuren, Engel und Wolken heraus, lässt sie durch den Raum schweben, hinauf- und hinuntergleiten. Irgendwann verschwimmt das Fresko komplett in Pixeln und formiert sich in geometrisch-abstrakte Kompositionen der Schweizer Avantgarde-Künstlerin Sophie Taeuber-Arp: blaue, gelbe und rote Trapeze, schwarze Linien und Quadrate tauchen auf, drehen sich, fügen sich zusammen, lösen sich auf, stürzen auf den Betrachter hinab. Aus den geometrischen Formen entstehen immer wieder Kreuze. Verherrlicht das Kirchengemälde noch das Göttliche, inszeniert Taeuber-Arp nur noch ein Spiel mit dem religiösen Symbol. Ein Hinweis auf die Abkehr des menschlichen Fremdbestimmtseins durch etwas Göttliches? Allein wegen solcher Werke lohnt sich die Schau. Sie ist noch bis zum 25. November im Weltkunstzimmer zu sehen.

link Kreuz und Fläche zu Raum

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