Gereckte Faust und Fingerzeig zur Weisheit

„Die Geste“ heißt die Jubiläums-Ausstellung zum 20-Jährigen der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Bis 13. Januar zeigt sie aus allen Epochen und Kontinenten Zeichen der „stummen Dichtung“

Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, 21. Sep. 2018. Von Ralph Wilms

Überzeugend vermittelt „Die Geste“ unseren kulturellen Schatz an wortloser Sprache – und Sprachlosigkeit, wo Ikonographien ferner Jahrhunderte und Kontinente für uns Heutige einen Übersetzer bräuchten. Der „stummen Dichtung“, wie Leonardo da Vinci die Malerei genannt hat, und ihrer einst sprechenden Details steht man heute allzu oft als funktionaler Analphabet gegenüber. Ist es gestische Verarmung, die Myriam Thyes’ fünfminütiges Video „Smart Pantheon“ so bildschön elegisch betrauert? Tippende Hände lässt sie ineinander gleiten: als Bilder im Smartphone – und als stets neues Bild im Bild. An der Wand gegenüber zeigt Anne Bernings über zwei Meter hohes Buchrücken-Relief „Art Books“ die coole Raucherpose des dandyhaften Max Beckmann – und einige Holzbände weiter die blutenden Füße und Hände des Gekreuzigten in brutaler Untersicht. Und das sind nur die monumentalsten Blickfänge im Entree. (...)

link Die Geste, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, 2018

link Smart Pantheon

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